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Willkommen auf unserem Baby-led Weaning Blog. Das sind wir - meine Söhne Maxi, Julius und ich

Auf dieser Seite findest du Allerlei zum Thema Baby-led Weaning (BLW) oder Beikost nach Bedarf.
Hier teilen wir unsere Erfahrungen, Zweifel und Erfolge. Wir testen Rezepte. Wir tauschen uns gern mit Weggefährten und Interessierten aus.

 

Wir - das sind meine Söhne Maxi, Julius und ich.


Viel Spaß!

Wie selbstverständlich - Julius Wochen 7 und 8

"Wenn man Kinder hat, vergeht die Zeit wie im Flug." Diesen Spruch hat doch jeder schon mal gehört oder? Und an langen Regennachmittagen, weiß man, dass da einfach nichts Wahres dran sein kann.

Aber dann plötzlich sitzt man abends beim Essen und denkt sich: Wieso fällt da denn nichts mehr runter? Und wo ist das halbe Stück Rote-Bete-Tarte hin verschwunden? Hat er das aufgegessen? Wann hat er das gelernt? Stimmt dieser blöde Spruch etwa doch?

 

Neben dem obigen Spruch findet sich in der großen, bunten Phrasenkiste übrigens auch noch der hier: "Das Zweite läuft einfach so mit." Und was soll ich sagen? Genau so ist es irgendwie. Und das ist vermutlich auch der Grund warum man manchmal das Gefühl hat, dass die Zeit wie im Flug vergeht. Man ist einfach nicht mehr so konzentriert und fokussiert auf das zweite Baby, wie man es beim ersten war. Nicht jede kleine motorische Entwicklung wird gleich bemerkt, gefeiert, fotodokumentiert und über diverse WhatsApp-Gruppen bis zur Cousine 9. Grades berichtet. Wie unfair! Aber vermutlich auch gar nicht so verkehrt...

 

Trotzdem versuche ich heute mal die ganzen Fortschritte zu dokumentieren, die Julius ganz heimlich still und leise für sich ganz allein gemacht hat, während ich (oder wir) mit unserem Großen oder unserer eigenen Nahrungsaufnahme beschäftigt waren. Womit wir schon beim ersten Punkt wären: Denn dass Julius ganz für sich alleine - also im Hochstuhl - is(s)t, lässt sich durchaus als Fortschritt verbuchen. Seit unserer Rückkehr nach München und dem Ender der Elternzeit meines Mannes sitzt Julius jetzt in seinem eigenen Stuhl. Zuerst nur dann, wenn ich die Mahlzeit mit beiden Kindern alleine zu mir nahm. Weil es mir sonst logistisch nicht mehr möglich war diese Herausforderung entspannt zu meistern. Die Reichweite von Julius auf meinem Schoß wurde immer größer und er bediente sich in unachtsamen Momenten auch fröhlich an noch nicht geeigneten Lebensmitteln. Außerdem verfiel Maxi immer öfter in alte BLW-Start-Tage-Muster (Runterwerfen, Ausspucken etc.), wenn man ihm nicht genügend Aufmerksamkeit während der Mahlzeiten schenkte. Denn der Nachahmungstrieb funktioniert leider wunderbar wechselseitig. Nicht nur die Kleinen lernen von den Großen...

 

Der Hochstuhl war also unsere letzte Rettung und eine echte Wohltat. Zwar setzt sich Julius bis heute noch nicht komplett frei hin, aber er verbrachte damals schon sehr viel Zeit in der aufrechten Position oder kniete sich aus dem Stand kurz hin, wenn er sich dabei irgendwo abstützen konnte. Heute balanciert er nur noch lässig mit einer Hand an der Spielzeugkiste das Gleichgewicht aus, während er mit der anderen begeistert das Duplo ausräumt. Wir sind also nicht mehr so richtig weit vom echten 100 % Sitzen entfernt.

 

Dass es trotzdem noch etwas zu früh war, merkte man in den ersten Hochstuhltagen daran, dass Julius nicht sehr lange essen wollte. Meist schon nach kurzer Zeit wurde er unruhig und dann beendete ich auch sofort seine Mahlzeit und er durfte wieder krabbeln. Nach ein paar Tagen wurde sein Sitz im Stuhl schon deutlich stabiler und inzwischen ist er bei uns regelmäßig derjenige, der beim Essen die meiste Ausdauer hat. Und seit er seine Unzufriedenheit vermehrt zeigte, wenn er dann doch wieder bei einer Mahlzeit auf dem Schoß sitzen sollte, lassen wir ihn nun auch jedes Mal im Hochstuhl essen.

 

Dass Babys uns durch ihre Unzufriedenheit immer etwas mitteilen wollen, dürfte bekannt sein. Aber was genau das dann ist, da dürfen wir Mamas und Papas dann oft raten ohne Ende. Julius erschreckte uns bei einigen Mahlzeiten - noch zu Schoßzeiten - beispielsweise mit einem abrupten entsetzten Weinen. Anfangs interpretierte ich das immer als ganz plötzlichen Stillhunger und wunderte mich dann, wenn er nach einem Zug die Brust los ließ um sich noch mehr aufzuregen. Erst dann sah ich meist den Grund für seinen Ärger, denn der klebte in Form eines Stückchens Brot, Paprika- oder Apfelschale an seinem Gaumen fest. Und zwar so, dass es ihm scheinbar so richtig unangenehm war. Kaum hatte ich unter größter Vorsicht das Stückchen gelöst, war wieder Ruhe und er aß vergnügt weiter oder wollte stillen - je nachdem. Diese Vorfälle waren auch für mich und meinen Mann Neuland und sorgten jeweils für einen spontanen Pulsanstieg. Bei Maxi hatten wir so etwas nie erlebt. Aber glücklicherweise scheint diese Phase auch schon wieder vorüber zu sein, denn inzwischen kann Julius mit den verschiedensten Lebensmitteln sehr gut umgehen.

 

Mit seinen zwei Zähnchen beißt und schabt er an rohem Obst und Gemüse. Er liebt Gurke und auch Paprika und Apfel sind gerne gesehen. Das wird fröhlich beknabbert, wobei noch nicht alles im Magen landet sondern oft in Kleinteile zerhäckselt wieder auf dem Tablett oder dem Boden landet. Weicheres wie Mango oder Kiwi verspeist unser Nachwuchs allerdings nicht selten schon komplett. Genauso wie Gemüsestücke aus dem Eintopf. Die müssen auch nicht mehr besonders groß sein, da er seit unserem Urlaub die Ich-kann-meine-Faust-vor-dem Mund-öffnen-und-das-Essen-hinein-schieben-Technik beherrscht. Mit breiigen Konsistenzen kennt Julius sich auch bestens aus. Waren wir bei Maxi damit in der Anfangszeit noch zurückhaltend (Matscherei-Vermeidung), lassen wir unseren Jüngsten gern schon morgens aus dem Familientopf Porridge oder Gries-Hirse-Brei mit Früchten naschen und servieren abends auch gleich nochmal Steckrübenpüree zum Fisch. Ja, man hat sich ans Putzen einfach gewöhnt. Und der angenehme Effekt, den wir bei breiartigen Speisen zu verzeichnen haben lautet: Der Boden bleibt überraschender weise oft komplett sauber. (Nur Hochstuhl und Kind bedürfen einer ausgiebigen Grundreinigung).

 

Und was kommt als nächstes? Der Löffel ist es (noch) nicht. Den haben wir testweise mal hingelegt. Führt aber im Moment noch zu Verwirrung in der Handhabung. Der Becher ist es auch (noch) nicht. Der wurde bei beiden bisherigen Angeboten nach kurzer Begutachtung dezent vom Tisch gefegt. Daher tippe ich eher auf den Pinzettengriff. Denn auf dem Wohnzimmer Fußboden inspiziert Julius gerade schon jeden Brösel, den sein großer Bruder dort fröhlich verteilt oder nestelt ausdauernd an den klitzekleinen Reisverschlüssen der Sofakissen herum, während er sich am Sitzmöbel entlang hangelt.

 

Wir werden bestimmt bald sehen, ob ich mit dieser Vermutung richtig liege und wir dann (unpürierte) Erbsen und Mais für alle servieren können.

 

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Steckrübenpüree

Unser Baby-led Weaning Blog - Rezept für Steckrübenpüree

Der Herbst ist da! Und mit ihm wieder herrliches saisonales Gemüse. Allen voran natürlich der Kürbis. Aber auch die Steckrübe ist orange und lecker. Ganz besonders wenn sie als cremiges Püree auf die Teller kommt. So samtig und fein, dass ich beim Abschmecken schon fast eine ganze Portion weggenascht habe. Natürlich ist es für Babys, die noch ohne Löffel essen eine ziemliche Matscherei. Trotzdem ist dieses Soul Food hier eine große Putz-Session wert. Versprochen!

 

Zutaten:

1 große Steckrübe, möglichst frisch

3 mittelgroße Kartoffeln, mehlig- oder vorwiegend festkochend

2 große Karotten

1 große Schalotte

3-4 EL Olivenöl

70 g Butter

50 g Sahne

Salz, frisch geriebene Muskatnuss 

Kürbiskernöl (optional)

Kürbiskerne (optional)

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Dialog am Sonntag - Warum ich für unsere Kinder keine Extrawurst koche

Maxi: Mama gibt es schon Essen?

Ich: Noch nicht. Ich koche noch. Aber gleich ist es fertig.

Maxi: Ich mag schonmal schauen, was da in meiner Schüssel ist.

Ich: Noch gar nichts, Maxi. Du kannst dir gleich selber nehmen, was du magst.

Maxi klettert auf seinen Stuhl. Schaut kurz in seine leere Schale und begutachtet dann die kleine Schüssel mit einem Rest Humus vom Vortag.

Maxi: Was ist da drin?

Ich: Das ist Humus. Kichererbsenmus.

Maxi: Das mag ich nicht. Ich will ganze Kichererbsen.

Ich: Kannst du bekommen. Die haben wir ja gestern gekauft. Vielleicht kann der Papa dir ja schon mal das Glas aus dem Schrank holen.

Papa kommt mit Julius in die Küche, sucht die Kichererbsen und stellt sie Maxi hin. Ungeöffnet, da er mit Julius auf dem Arm nur eine Hand frei hat.

Maxi: Die will ich alle essen. Was gibt es noch?

Ich: Kartoffelpüree, Brokkoli und Karotten.

Maxi: Das mag ich alles nicht. Gibt es keine Nudeln?

Ich: Nein. Heute gibt es keine Nudeln. Heute gibt es Kartoffelpüree.

Maxi: Das mag ich nicht. Ich will nur Kichererbsen essen. Papa soll mir die aufmachen.

Papa: Das kann ich gerade nicht. Ich mache sie dir auf, wenn das Essen fertig ist, ok?

Ich stampfe das Püree mit Milch, Butter und Muskat fertig und gebe einen Löffel auf Julius Teller. Dort liegen auch schon ein Löffel Humus, Brokkoli und Karotten zum Abkühlen, während ich sie für uns noch im Topf warm halte.

Maxi: Warum hat der Julius alles?

Ich: Der mag alles probieren.

Maxi: Aber ich nicht.

Ich: Musst du nicht. Nur das was du magst.

Papa setzt Julius in seinen Stuhl während ich das Gemüse auf eine Platte und das Kartoffelpüree in eine Schüssel fülle. Julius isst auch gleich los.

Maxi nascht mit seinem Löffel im Kartoffelpüree, spuckt es aber gleich wieder aus.

Maxi: Das ist zu heiß. Das mag ich nicht.

Ich: Du kannst es pusten.

Maxi: Nein. Das mag ich gar nicht essen.

Dann öffnet Papa das Glas mit den Kichererbsen und gibt Maxi einen kleinen Löffel zum rausfischen. Er füllt sich zwei Löffel in seine Schale. Probiert dann eine. Noch eine.

Maxi: Warum sind die so nass? Ich mag die gar nicht so nass.

Ich: Möchtest du ein Tuch haben und sie dir trocken tupfen?

Maxi: Nein. Warum sind die so nass?

Papa: Weil die schon gekocht sind.

Es folgt eine ausgiebige Unterhaltung von uns 3en darüber welche Lebensmittel man gekocht oder ungekocht essen kann und ob diese hart oder weich sind, die ich an dieser Stelle überspringe ;-)

Maxi: Ich mag keine Kichererbsen. Ich mag nur Brokkoli essen.

Papa: Ok, dann kannst du mir die Erbsen geben.

Maxi schüttet den Inhalt seiner Schale in Papas Teller. Nimmt sich 4 große Brokkoli-Röschen und beginnt zu knabbern. Mein Mann und ich unterhalten uns kurz darüber, was am Abend noch zu tun ist. Auch das erspare ich euch...

Dann etwas später: Ich nasche eine Scheibe Karotte mit den Fingern direkt von der Platte.

Ich (zu meinem Mann): Die Karotten schmecken heute total gut. Voll süß! Fast wie Melone.

Papa: Stimmt. Die sind echt sehr süß.

Ich: Maxi, hast du die Karotten schon probiert?

Maxi angelt sich mit zwei Fingern eine Scheibe von der Platte und beißt ab.

Maxi: Mhmmm. Lecker! Karotten-Melone.

Maxi nimmt sich die Zange und füllt seine Schale mit Karotten voll. Isst gemütlich vor sich hin. Inzwischen wird Julius unruhig und wir beginnen damit seine Mahlzeit zu beenden, ihn sauber zu machen und zum Krabbeln runter zu lassen. Währenddessen nimmt Maxi sich eine ordentliche Portion Kartoffelpüree.

Etwas später.

Maxi: Ich bin fertig.

Seine Schale ist bis auf ein kleines Löffelchen Püree und eine Scheibe Karotte, sowie einen Brokkoli-Stiel komplett leer.

 

 

Dieses kleine, amüsante Schauspiel bot sich uns gerade eben beim Abendessen. Ich finde es ein herrliches Beispiel dafür, dass es nicht nötig ist, Kindern eine Extrawurst zu kochen, selbst wenn sie auf den ersten Blick nichts auf dem Tisch finden, was ihnen zusagt. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass man Dinge bis zu 14x probieren muss, ehe sie einem schmecken...

Und neuerdings stelle ich auch immer wieder fest, dass das vielleicht sogar für Dinge gilt, die man eigentlich gern mag, sie aber lange nicht mehr gegessen hat. Also bei saisonalem Obst und Gemüse. Die allererste Mandarine die ich nun nach langer Abstinenz wieder schälte, verschmähte Maxi nach dem ersten Stück. 2 Tage später aß ich eine am Nachmittag, er naschte und wollte dann eine ganz für sich alleine haben. Ganz ähnlich war es auch beim ersten Ofenkürbis in diesem Herbst. Auch den hatten wir längere Zeit nicht gegessen und es dauerte 2, 3 Mahlzeiten bis Maxi sein letztjähriges Leibgericht wieder für gut befand.

 

Natürlich läuft das bei uns nicht jeden Abend so bilderbuchmäßig ab wie heute. Manchmal probiert Maxi auch nur eine Sache oder zwei und isst sich daran satt. Oder er findet bis zum Ende unserer gemeinsamen Mahlzeit wirklich gar nichts, was ihm schmeckt. In diesem Fall frage ich ihn direkt, ob er noch Hunger hat. Ist das der Fall, biete ich ein Butterbrot oder einen Joghurt mit Haferflocken an. In der Regel mag er eins von beidem oder sagt, dass er lieber nur einen Apfel/Tomaten/Paprika hätte. Es kommt aber tatsächlich auch vor, dass er gar keinen Hunger hat. Und das akzeptieren wir so. Zum Probieren, zum Aufessen oder zum überhaupt etwas Essen wird bei uns niemand gezwungen.

 

Nudeln und andere Dauerbrenner wird es natürlich auch weiterhin bei uns geben. Aber eben nicht nur und nicht ständig. Und auch nicht als Extrawurst. Denn er soll immer auch die Gelegenheit bekommen, zu probieren und vielleicht seine Meinung zu ändern.

 

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