· 

Naschen und Löwen - Julius Wochen 3 und 4

Unser Baby-led Weaning Blog - Woche 3 und 4

"Dann gibt es endlich wieder dieses leckere dampfgegarte Gemüse und Fisch!" Dass ich diesen Satz einmal aus dem Mund meines Mannes hören würde, hätte ich nicht gedacht. Ohne eine Spur Sarkasmus wohlgemerkt, sondern voll echter Vorfreude. Der Satz fiel kurz vor unserem BLW Start mit Julius und nun nach knapp 4 Wochen, freut er sich immer noch über Gemüse und Fisch aus dem Dampfgarer. So sehr, dass ich die Reste, die ich z. B. für Julius Mittagessen am nächsten Tag geplant habe, besser direkt in den Kühlschrank räume. Denn wenn sie zu lange im Blickfeld meines Mannes stehen, sind sie schneller aufgefuttert, als ich gucken kann.

Dabei sollte man sich eigentlich hüten unserem Jüngsten das Essen weg zu essen. Denn der hat da inzwischen schon eine ganz klare Erwartungshaltung...

Aus Zeitdruck mal schnell eine Mahlzeit alleine dazwischen schieben und Julius am Boden spielen lassen? Nicht mehr möglich. Der kleine Kerl ist sehr aufmerksam und bekommt es sehr gut mit, wenn ich in der Küche mit Tellern und Besteck klappere. Dann dauert es meist nicht lange und er kommt in Windeseile zu mir gekrabbelt. Man könnte ja was verpassen. In der Regel will er dann auch gleich begutachten, was es heute so gibt und fordert eine bessere Sicht von meinem Arm aus ein. Bin ich schon fast fertig mit Kochen, Decken und Anrichten, funktioniert das sehr gut. Brauche ich noch beide Hände, kommt Julius so lange in seine Hochstuhlschale und kann von dort aus zusehen. Das tut er allerdings nicht ganz so gern und brabbelt dann ärgerlich vor sich hin - entweder um mich anzufeuern oder um seinen Unmut kund zu tun. Da bin ich noch nicht ganz sicher.

 

Kaum sitzt er dann endlich auf unserem Schoß, knurrt er erstmal sein Essen an. Wie ein kleiner Löwe. Und auch während die ersten Bissen im Mund verschwinden knurrt er fröhlich weiter. Die Laute kennen wir auch von ihm, wenn er sehr konzentriert am Boden mit etwas spielt, sie dürften also ein Zeichen dafür sein, dass ihm das tägliche "Mahlzeit-Spiel" mit uns genauso gut gefällt, wie das begeisterte Ausräumen der Schleich-Tier-Kiste seines Bruders.

 

In beiden Fällen ist er übrigens auch mit ganzem Körpereinsatz dabei, was es für mich körperlich recht anstrengend macht unseren Zwerg bei den Mahlzeiten mit nur einem Arm auf dem Schoß zu halten. Julius zieht es nämlich gerade eigentlich immer auf die Beine. Und so möchte er seinen Teller zwischendurch auch immer mal wieder aus der Vogelperspektive begutachten, um das nächste Objekt der Begierde zielsicher aus dem bunten Angebot zu fischen. Knapp über 7 Kilo turnendes Kind überlasse ich also wann immer es geht aus Sicherheitsgründen lieber dem Papa. Wobei auch der zugibt, dass er sich schon drauf freut, wenn Julius endlich selber sitzen kann. Denn dann bekommt der Kleine endlich seinen eigenen Hochstuhl mit Tablett und kann sich nach Herzenslust austoben beim Essen. Noch scheint er aber so fixiert aufs Stehen üben, dass er gar keine Anstalten macht sich hinzusetzen.

 

Das stellte auch der Kinderarzt bei der U5 in dieser Woche fest. Noch sehr wacklig im Sitz, schon viel stabiler im Stand. So das Fazit und damit auch die Empfehlung ihn während der Mahlzeiten vorerst weiter auf dem Schoß zu halten und ihn nicht hinzusetzen, bevor er diese Position nicht von selbst erreichen kann.

Und während Julius fröhlich auf dem Behandlungstisch hin und her krabbelte, erzählte ich unserem Kinderarzt auch von unserer Beikost-Methode. Der war nicht weiter überrascht, fragte aber noch einmal nach, was wir Julius denn genau anbieten. Mit der Liste, die ich dann vortrug war er sehr zufrieden: Viel Obst und Gemüse, täglich frisch gekocht, dazu Kartoffeln, Reis, Hirse und Brot, Fisch, Hackfleisch, Hühnchen...

 

Auch wenn ich mich von einem skeptischen Kinderarzt nicht von unserem BLW-Weg hätte abbringen lassen, freut es mich doch, dass wir mit dem Prädikat "Na da machen Sie ja schon alles richtig" nach Hause gehen durften.